DexLeChem – Mit Innovation die Welt besser machen

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Das junge Startup DexLeChem entwickelt Verfahren und Innovation, um die Chemie effizienter und umweltfreundlicher zu machen. Bereits der Name enthält viel Chemie; er leitet sich von den altgriechischen Wörtern dexter für rechts und levus für links ab, was das Phänomen der Chiralität in der Chemie erklärt (strukturelles Verhalten von Molekülen wie Bild und Spiegelbild). DexLeChem entwickelt Verfahren, um synthetisch anspruchsvolle Moleküle kosteneffizient und umweltfreundlich herzustellen. DexLeChem ist kürzlich ins neue CoLaborator, ein Inkubator von Bayer, umgezogen und freut sich auf den regen Austausch mit den anderen 8 Startups.

Martin Rahmel, Mitbegründer und zuständig für Business Development, gibt uns interessante Einblicke in die Gründerszene Berlins, in die Anfänge von DexLeChem und die alltäglichen Herausforderungen eines Unternehmers.

Martin, wie kam es zur Idee? Als Chemiker ist man nicht automatisch ein Gründer, eher das Gegenteil. Der Chemiker fühlt sich wohler in der vermeintlichen Sicherheit eines Angestellten?

Unternehmen gründen ist eine gute Alternative zum Angestelltenverhältnis im Grosskonzern.

Martin: Frag mal 100 Chemiker, was sie nach dem Studium werden wollen: 99 von ihnen antworten nicht mit „ein eigenes Unternehmen gründen“. Frag das Gleiche 100 ITler; mehr als 90 werden antworten „ich habe schon mein eigenes Unternehmen“. Das ist ein grosserf Unterschied und ist sehr schade. Denn es ist alleine nur Kopfsache. Es wäre schön, wenn die jungen Chemiker dies während der Uni-Zeit verstehen, dass ein Unternehmen gründen eine echte Alternative zum Angestelltenverhältnis im Grosskonzern ist.

Der grosse Unterschied zwischen IT und der Chemie ist das Geld, sprich die Investitionen. Ein funktionierendes Labor kostet geschätzt mehr als 100 000 Euros? Ein IT-Startup braucht einen Notebook und Internetzugang.

Für Pre-Seed-Ideen fehlen Laborräume in Berlin.

Martin: Genau. Im B2C kann man im IT-Bereich schnell erste Revenues-Streams generieren. Das ist bei uns im Scientific-B2B-Bereich schwierig. Hinzu kommt, dass in Berlin Laborräume für Pre-Seed-Ideen fehlen. Das Schöne ist, am Geld wird eine tolle Idee nicht scheitern. Ob man selbstständig bleibt, ist natürlich eine andere Frage. Bei uns war es immer das Ziel, ein eigenes, unabhängiges Unternehmen zu haben. Wir wollen unser Unternehmen nicht mit fremden Geld aufpusten und irgendwann den baren Exit suchen, sondern sind Unternehmer im tiefsten Herzen und finden toll, was wir jetzt machen. Das ist unser Traum, für alle 4 Gründer.

Labor

Das neue CoLaborator bei Bayer schafft Raum für innovative Lösungen.

Was waren denn die Hürden bis zur Gründung?

Martin: Zunächst mal mussten wir technisch zeigen, dass unser Re-using-Ansatz [des Katalysators] funktioniert. Eine weitere permanente Herausforderung ist das Thema „Kommunikation im Team“. Hier haben wir professionelle Unterstützung durch einen herausragenden Coach, denn dieses Thema ist extrem erfolgsrelevant. Ein weiterer Knackpunkt war das Thema Marktzugang, denn die Pharmabranche ist eher konservativ. Im Nachhinein sind wir extrem froh, dass wir so früh den Kontakt mit dem Markt aufgenommen und uns mit verschiedenen Marktteilnehmern noch vor dem Proof-of-Concept, also noch vor der Gründung ausgetauscht haben.

Was waren deine 3 wertvollsten Erfahrungen die du als Gründer gesammelt hast?

Martin: Unternehmer sein ist nicht Rocket Science. Man kann relativ einfach ein Unternehmen um eine Idee herum aufbauen und dann am Unternehmen arbeiten. Diese Arbeit finde ich total spannend, was für mich persönlich die wertvollste Erfahrung ist. Zweitwichtigste Erfahrung: Man ist im Kontakt mit dem Kunden nur erfolgreich, wenn man auf Augenhöhe miteinander spricht und auch auf persönlicher Ebene den Kunden erreicht. Um unsere Dienstleitung erfolgreich vermarkten zu können, brauchen wir das Vertrauen unserer Kunden, und das erhalten wir nur durch den ehrlichen, offenen und gleichberechtigten Austausch. Drittwichtigste Erfahrung ist sicherlich die Arbeit im Team. In einem Team zu arbeiten, das aus so unterschiedlichen Fachdisziplinen und verschiedenen Charakteren besteht, welche alle die gleiche Wertvorstellung eint, ist eine tolle Erfahrung.

Unternehmer sein ist nicht Rocket Science.

Seid ihr nach der Gründung auf größere Probleme gestoßen?

Martin: Die Zeitschiene bei der Finanzierung ist natürlich eine grosse Herausforderung. Auch die Standort-Frage, welche wir nun mit dem CoLaborator von Bayer beantwortet haben, hat viel Zeit und Energie gekostet. Daran hing natürlich unsere Existenz, denn ohne Labor ist unser Geschäftsmodell schlicht nicht möglich.

Warum hast du dich denn eigentlich für das Unternehmer-Dasein entschieden?

Martin: Als ausgebildeter Stratege habe ich sofort die Vorteilhaftigkeit der Idee des Katalysator-Re-using gesehen. Das Thema ist technisch sehr komplex, aber das Prinzip und die Auswirkungen habe ich sofort erkannt und mich dann bewusst dafür entschieden, mitzumachen. In das Dasein als Unternehmer bin ich dagegen eher hineingeschlittert, denn es war Zufall, dass ich in einem so frühen Stadium der Gründungsidee hinzugestoßen bin. Erst mit der Zeit habe ich so richtig verstanden, wie schön es ist, an seinem eigenen Unternehmen zu arbeiten, anstatt in einem Grosskonzern.

Für Gründer stellt sich die Frage nach Kapital. Wie habt ihr das gelöst?

Martin: Der Idee liegen Jahre der Forschung am Exzellenzcluster UniCat zugrunde. Groß geworden ist das Vorhaben schliesslich mit dem EXIST-Forschungstransfer vom BMWi. Mit dem Geld konnten wir als Entwicklungsprojekt an der TU Berlin zunächst die Machbarkeit zeigen. Danach haben die vier Gründer selbst Kapital aufgebracht und zusammen mit einem Zuschuss vom BMWi im Rahmen der EXIST-Forschungstransfer Phase 2 die GmbH gegründet. Mittlerweile haben wir erfolgreich die Finanzierung gemeinsam mit der IBB im Rahmen des Programms Pro FIT sichern können. Hierbei gab es für uns zwei Optionen: Entweder wir fahren das Unternehmen auf Minimalflamme, strecken also das Geld zeitlich und leben dann etwas länger davon, oder wir stellen das Unternehmen auf Optimalflamme ein und haben dann entsprechend etwas weniger Zeit. Wir haben ganz bewusst die zweite Strategie gewählt, da wir wissen wollten, ob unsere Unternehmensidee funktioniert. Ich denke der Erfolg gibt uns hierbei Recht.

Team

Das DexLeChem-Team bestehend aus Henriette Nowothnick, Regina Böttcher, Martin Rahmel, Mathis Gruber, Anja Paulsen-Stock, Sonja Jost (v. l. n.r.)

Deine persönlichen 3 wichtigsten Tipps um ein Unternehmen erfolgreich zu gründen?

Martin: 1. Die Idee muss eine Vorteilhaftigkeit aufweisen. D.h. die Idee muss eine Lösung eines praktischen Problems adressieren und zu anderen Lösungen klare Vorteile aufweisen. Die entscheidenden Fragen sind:

Was ist das Problem? Wie ist meine Lösung? Und hat meine Lösung Vorteile gegenüber anderen Lösungen? Bei den Alternativlösungen muss man unbedingt substitutiv denken. Viele machen den Fehler und sagen: „Das ist nicht meine Konkurrenz“ oder „Ach, das ist eine ganz andere Technologie, das hat mit mir nichts zu tun“. Wirklich in Problemlösungs-kategorien zu denken und dann die jeweilige Lösungsvariante nach ihrer Vorteilhaftigkeit hin zu analysieren, ist entscheidend. Bzgl. der dazu benötigten Fähigkeiten sollte man sich stets fragen: Was kann ich gut? Was kann ich besser? Was bringt das für meinen Kunden? So kommt man ziemlich schnell zum Ziel.

2. Auf das Team achten. Viele Menschen tendieren dazu, um sich ein Team aus Leuten aufzubauen, mit denen sie sich gut verstehen, sprich sehr ähnlichen Charakteren. Am Ende hat man ein Team, was sich zwar gut versteht, aber zu gleichförmig denkt. Diversität und Kreativität der Lösungsansätze leiden darunter und schließlich auch der der Erfolg. Das Team muss sicherlich zusammenpassen und v.a. gut miteinander kommunizieren können. Man muss aber darauf achten, komplementäre Stärken zusammenzuführen und Persönlichkeiten einzustellen, die anders sind als man selbst. Nur so erhält man ein Team, das in ungeahnte Höhen fliegt.

3. Finanzierung frühzeitig sichern. Das ist natürlich ein Klassiker: Vor der Finanzierung ist nach der Finanzierung.

Wo seht ihr euch in fünf Jahren?

Martin: Ich denke, wir alle haben verstanden, dass die Ressource Erdöl endlich ist und wir jetzt anfangen müssen, Alternativen zu suchen. Das ist sicherlich ein schwieriger und langer Weg, aber diese Anstrengungen sind es wert. Wir bei DexLeChem haben die Mission, hierfür einen Beitrag in der Chemie zu leisten und diese Branche mit Hilfe von Innovationen umweltschonender zu gestalten. Wenn in 5 Jahren die wesentlichen Spieler auf dem Markt sagen: „Okay, wir wollen diese Transformation mitgestalten und wollen dabei die innovativen Ansätze von DexLeChem einsetzen!“ dann haben wir einen guten Job gemacht.

Wie behaltet ihr eure Begeisterung dafür? Warum stehst du jeden Morgen auf und gehst zur Arbeit?

Martin: Es ist toll zu sehen, wie das Unternehmen, die eigene Idee wächst. Es macht Spaß, die kleinen und großen Herausforderungen in Balance zu bringen. Eigentlich ist man permanent an der Kapazitätsgrenze und muss entscheiden, was wichtig und was unwichtig ist. Deswegen ist auch Tipp Nummer 4 „Der Blick zurück” ganz entscheidend. Ab und zu mal zurück zu gucken und zu sagen: „Was haben wir erreicht?“ Das gemeinsam zu feiern ist schließlich auch einer der Gründe, warum man jeden Tag wieder glücklich aufsteht. Zurückblickend sieht man: „Wow, das ist ja echt, da haben wir ja ganz schöne Schritte gemacht“. Und das beflügelt einen wieder.

So zum Abschluss: Was braucht ein Mensch, um ein erfülltes Leben zu führen?

Martin: Zunächst brauchen wir alle eine gesunde Mutter Erde! Erfüllung für mich persönlich ist es, eine Aufgabe zu haben und dabei etwas zu bewirken, denn das ist für mich ein Daseins-Grund auf dieser Erde. Dabei muss für mich das Etwas eine Sache sein, die die Welt ein Stückchen sauberer, lebenswerter, eben gesünder macht. Hierfür jeden Tag aufzustehen ist für mich der wesentliche Grund, denn als Unternehmer hat man die Möglichkeit, einen gewissen Hebel anzusetzen und Einfluss zu nehmen.

Ein sehr nobler Gedanke. Martin, danke für das interessante Interview. Ich wünsche euch maximalen Erfolg bei eurem Vorhaben, die Welt besser zu machen.

Weitere Infos zu DexLeChem:

DexLeChem_Logo

 

 

 

DexLeChem GmbH
c/o CoLaborator, Building S141
Müllerstr. 178
13353 Berlin

www.DexLeChem.com
+49 177 4936936
rahmel@dexlechem.com

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Dominic schreibt über interessante Themen rund um Entrepreneur und Familie, baut selbst ein Unternehmen auf. Er ist Gründer von Familypreneur.deGruenderBook, leidenschaftlicher Blogger, Twitterer, Papa von zwei bezaubernden Töchtern und Ehemann.